Am 04.01.2010 ist Günter Mazur verstorben. Wir sind sehr traurig.

Sein letztes Interview.
WoW/ FOCUS Nr. 50, 08.12.2010

Gefährliche Teamarbeit
Der Therapeut Günter Mazur erklärt, warum „World of Warcraft“ ein so enormes Suchtpotenzial hat.

Von FOCUS-Redakteur Ulf Hannemann

FOCUS: Herr Mazur, das Online-Spiel „World of Warcraft“ – kurz WoW – entwickelt sich zum Weihnachtskassenschlager. Fast zeitgleich haben Sie mit anderen Experten den Fachverband Medienabhängigkeit gegründet – purer Zufall?
Mazur: Das war nicht beabsichtigt, aber die meisten Computerspielsüchtigen sind tatsächlich von „World of Warcraft“ abhängig – die Ballerspiel-Abhängigen folgen mit Abstand.

FOCUS: Was reizt so sehr an WoW?

Mazur: Das Gruppenerlebnis ist ein wesentlicher Faktor. Bekanntlich agieren die Spieler gemeinsam in sogenannten Gilden, wo sie Lob und Anerkennung finden. Andererseits bringt die Teamarbeit unzählige Verpflichtungen mit sich – schließlich können viele Aufgaben nur gruppenweise gelöst werden. Erhebliche Zwänge sind die Folge.

FOCUS: ... woraus Abhängigkeit resultiert?

Mazur: Es besteht zumindest eine starke Verpflichtung gegenüber den Mitspielern. Bis zur Lösung einer Aufgabe können mitunter Wochen vergehen. Will ich die anderen nicht enttäuschen, bin ich an das Spiel gebunden – und für den Alltag bleibt kein Platz mehr.

FOCUS: Wie würden Sie den typischen WoW-Abhängigen charakterisieren?

Mazur: In unserer Praxis haben wir es häufig mit jüngeren Männern zu tun. Sie sind nicht zwingend sozial gestört, allerdings häufig recht schüchtern, manchmal geradezu ängstlich. Meist sind es intelligente, aufgeweckte Einzelkinder oder Nachzügler mit überdominanter Mutter. Der Vater ist hingegen häufig verschwunden oder spielt in der Familie eine eher untergeordnete Rolle.

FOCUS: ... also ein komplett anderer Typ als der Ballerspiel-Abhängige?

Mazur: Absolut. Ego-Shooter-Patienten besitzen meist ein ausgeprägtes Ego. Sie sind eher kalte, unkommunikative Einzelgänger. Rollenspieler zeigen sich viel kontaktfreudiger. Ihre Beziehungsbeeinträchtigung resultiert häufig daraus, dass sie nur ganz kurz oder überhaupt noch keine Beziehung zum anderen Geschlecht hatten. Daher besteht bei ihnen oft auch ein großes Bedürfnis nach Sexseiten.

FOCUS: Wie merke ich, ob jemand gefährdet ist?

Mazur: Die Abhängigkeit ist eher indirekt zu erkennen. Typisch ist der Schüler, der häufig zu spät kommt, viele Ausreden findet, plötzlich in den Noten absackt, unkonzentriert wirkt und seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. Diese Veränderungen vollziehen sich schnell.

FOCUS: Wie können Sie helfen?

Mazur: Unsere Patienten erkennen zwar ihre Situation, haben jedoch das Gefühl für geregelte Abläufe völlig verloren. Beides wieder miteinander in Einklang zu bringen ist daher das erste Ziel. Nach drei bis vier Wochen kann dann die Gruppenarbeit richtig beginnen.

FOCUS: Existiert im Patientenhaus ein Rechner mit Internet-Anschluss?

Mazur: Das ist eine Frage, die wir immer wieder diskutieren – schließlich spielt das Internet eine wesentliche Rolle in vielen Lebensbereichen, zum Beispiel bei der Jobsuche. Wir haben daher entschieden, einen Internet-PC aufzustellen. Dieser darf jedoch nur zu zweit benutzt werden. Um 23 Uhr wird der Zugang gekappt.

FOCUS: Übernehmen die Krankenkassen die Therapiekosten?

Mazur: Die Diagnose ist noch nicht anerkannt, da das Feld noch relativ neu und die Bandbreite der Erkrankungen recht groß ist – von der Online-Sexsucht bis zur Rollenspielabhängigkeit. Es wird daher noch etwas dauern, bis eine solche Therapie im Behandlungskatalog steht. Im Einzelfall zeigen sich die Kostenträger aber heute schon recht offen.

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/sucht/forschung-und-technik-gefaehrliche-teamarbeit_aid_353918.html


Günter, wir wollten noch so viel von dir lernen.

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"Mädchen zwischen Medienkonsum und Medienkompetenz"
Ein mädchenspezifisches Bildungsprojekt für die 3. und 4. Grundschulklassen

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Herzlich Willkommen inmitten einer Vision, der ein 1-jähriger Entwicklungsprozess vorausging. Das Konzept beinhaltet ein 15-stündiges Angebot zum Thema „Medienkompetenz“, das geschlechtsspezifisch ausgerichtet ist.

Neben wichtigen theoretischen Grundlagen u.a. zu den aktuellen Medienwelten der Mädchen, finden sie eine ausführliche methodisch-didaktische Unterrichtsplanung inklusive Materialien, um dieses Konzept umsetzen zu können. Das vorliegende Projekt versteht sich als präventives Bildungsangebot und dient der Vorbeugung möglicher exzessiver und risikobehafteter Mediennutzung sowie der Stärkung der Ich-Identität.

Wir danken all den Mädchen, die wir bisher in ihrem Prozess begleiten durften, weil Sie uns einen eigenen Lernprozess ermöglichten. Durch unsere Arbeit betreten wir Neuland und reihen uns in den gemeinsamen Entwicklungsprozess ein. Wir freuen uns auf Impulse und wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und Freude bei der Umsetzung.

Senden Sie uns gerne Ihre Impulse sowie Erfahrungsberichte an das Projekt-Team „Grundschule“: Sie können die CD für eine Schutzgebühr von 25 Euro bei uns erwerben. Einen kleinen Einblick auf den kompletten Inhalt erhalten Sie, wenn Sie die PDF-Dateien öffnen:

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